Das Fibromyalgie-Kompetenzzentrum

Während unseres mehr als 30-jährigen Schmerzpraxis-Bestehens bildeten sich Behandlungsschwerpunkte heraus, u.a. kommen mittlerweile Fibromyalgie-Patienten aus dem ganzen Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland zu uns zu einer 14-tägigen intensiven Fibromyalgie-Behandlung. In den ersten Jahren unserer Schwerpunkt-Tätigkeit kamen hauptsächlich noch die seit Jahrzehnten angewandten Prinzipien (Lebensstil-Intervention, Entspannungsverfahren, Ausdauertraining, Medikation zumeist mit Amitriptylin) zum Einsatz. Aber mit zunehmendem Wissen über die Hintergründe und die Beschaffenheit dieser ernstzunehmenden komplizierten Erkrankung kamen nach und nach die modernen multimodalen Schmerzbehandlungsverfahren zum Einsatz, verbunden mit einer weitgehenden Abkehr von der einseitigen und wirkungslosen Medikalisierung. Opiate und Cannabinoide haben nach unserer Ansicht bei der Fibromyalgieerkrankung keinen Platz. Wenn man Fibromyalgie bessern möchte, die Lebensqualität, die soziale Funktionsfähigkeit, die psychische Komponente der Erkrankung, dann bedarf es zwingend eines multimodalen Ansatzes, der Arbeit an den Chronifizierungsmechanismen und den psychogenen Aspekten. Letztere können auslösend, aufrechterhaltend und verstärkend wirksam sein.

Wir arbeiten multimodal.
Wir arbeiten an den Chronifizierungsmechanismen (der Neuroplastizität).
Wir kümmern uns um die psychogenen Krankheitsaspekte.

Wenn wir heutzutage überhaupt noch Medikamente einsetzen, dann nur gezielt nach vorheriger Untersuchung des vegetativen Nervensystems mit der VNS-Analyse. So macht es beispielsweise keinen Sinn, das heute sehr beliebte NSRI Duloxetin einzusetzen, wenn die VNS-Analyse ohnehin schon eine Überstimulation des Sympathicus zeigt. Wir bestimmen immer den Vitamin D-Spiegel, der bei FMS-Erkrankten häufig erniedrigt ist und substituieren bei Bedarf. Wir bestimmen TSH, um eine Vorstellung von der Schilddrüsenfunktion zu erhalten, die, wenn sie in Mitleidenschaft gezogen ist, zur Verstärkung der Symptomatik sorgt. Bei Bedarf wird auch hier medikamentös interveniert.

Basis Behandlungskonzept

10 Werktage täglich etwa 45 min in der Praxis

Intensiv Behandlungskonzept

10 Werktage täglich etwa 2 Stunden in der Praxis

Premium Behandlungskonzept

10 Werktage täglich etwa 3 Stunden in der Praxis

Bausteine der Konzepte

Procain-Infusionen:

Infusionstherapie mit Procain (antientzündlich, blutgefäßerweiternd, antioxidativ, sympathicolytisch, blutdrucksenkend, antidepressiv, lipidsenkend). Biochemisch gesehen handelt es sich um eine Natriumkanal-Blockade (Arbeit an der Schmerzweiterleitung)

Psychometrischer Test:

Screening psychogener Auffälligkeiten und Verletzlichkeiten. Im sog. SCL90 werden abgerufen Aspekte wie depressive, ängstliche oder zwanghafte Entwicklung, Gereiztheit, Unsicherheit im Sozialkontakt, das Gefühl, von Geringschätzung und Argwohn umgeben zu sein.

VNS-Analyse:

Analyse des vegetativen Nervensystems. Die VNS-Analyse wird mittels Herzfrequenzvarianzanalyse zum Aufschluss über Funktions- und Regulationsstörungen im vegetativen Nervensystem erbracht. Neben der Indikationsprüfung hinsichtlich VNS-stützender Verfahren (Neurofeedback, positive Psychologie) dient sie der Prüfung der Regulations- und Adaptationsfähigkeit als Ressource.

Achtsamkeits-CD:

geführte Eigenübungen, dient dem Abbau der bei Fibromyalgie auftretenden Übererregbarkeit und Reizbarkeit. Die Rationale für diese Indikation ist, dass Achtsamkeit und Entspannung begleitet oder unterstützt werden durch die Hemmung von solchen Körpervorgängen, die durch das sympathische Nervensystem aktiviert werden. Darüber hinaus dient diese Methodik der Förderung des Resilienzfaktors Selbstwirksamkeit.

Neurofeedback

(= Echtzeit-EEG-Feedback): Internale Wirkverstärkung nach der Othmer-Methode, eine audiovisuelle computeranimierte Verhaltenstherapie. Krankheitsrelevante Fehlsteuerungen auf autonomer (vegetativer), motorischer und zentralnervöser Ebene sollen korrigiert werden. Theoretische Grundlage bildet die Überlegung, dass Veränderung entsteht aus der Dynamik des Gehirns, sich mit seinem eigenen Signal in Echtzeit auseinanderzusetzen. Durch das kontinuierliche Feedback seiner eigenen Aktivität wird das Gehirn in eine Rückkopplungsschleife gebracht. Somit fungiert das Gehirn als Detektor, wobei das EEG-Signal an sich nicht Gegenstand des Interesses ist, sondern vielmehr die Echtzeit-Antwort des Gehirns auf sein eigenes Signal. Die gesamte Orientierung ist auf die Verbesserung der funktionalen Kompetenz ausgerichtet, was sowohl in der Verbesserung von funktionalen Defiziten zum Ausdruck kommt, als auch in der Verstärkung positiver Eigenschaften. Es werden nicht nur psychische, sondern auch körperliche Vorgänge beeinflusst und gesteuert, und zwar nicht nur solche, die der bewussten (willkürlichen) Kontrolle unterliegen, sondern auch autonom (vegetativ) gesteuerte.

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tDCS (transkranielle Gleichstromstimulation):

Externale Arbeit an den neuroplastischen zentralnervösen Veränderungen (Arbeit am Schmerzgedächtnis). Man spricht von einer zentralen Neuromodulation (top-down-Regulation), die external (also von außen) verabreicht wird. Dies dient der Beeinflussung der Neuroplastizität (Schmerzgedächtnis)

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Psychotherapie (EFT/CBASP mit hypnosystemischem Anteilen):

die Fibromyalgie hat noch mehr als allgemein chronischer Schmerz eine sehr wesentliche psychologische Komponente, auch wenn sie zu den körperlichen (somatischen) Erkrankungen gezählt wird. Man geht davon aus, dass psychologische Faktoren dafür sorgen, dass das Gehirn sich den Schmerz quasi durch eine Lupe betrachtet. Psychotherapeutische Maßnahmen, insbesondere in ihrer Kombination mit hypnosystemischem Anteilen, sind geeignet, diese Schmerzverstärkung zu reduzieren und damit zu verminderter Symptomatik beizutragen.
Thematisiert werden: Förderung eines differenzierten Krankheitsverständnisses und des selbstverantwortlichen Umgangs mit den Beschwerden. Übergang vom subjektiven Störungsmodell zu einem komplexen biopsychosozialen Störungsmodell, Beschreibung von Kausalitäten eher in Bezug auf aufrechterhaltende Faktoren als auf eine auslösende Ursache, aktives Selbstmanagement, Compliance- und Copingverbesserung, angemessene Bewertung der Situation, Identifikation adaptiver und maladaptiver Einstellungen, Abbau von Ängsten, Hilfen beim Umgang mit Stress und erlebten Belastungen, Förderung aktiver problemzentrierter Verarbeitungsstrategien, Erlernen von Kontrollmöglichkeiten.
Ziel ist die kontextspezifische Anpassung der Ziele und Erwartungen, Übergang von assimilitativem zum akkomodativem Copingstil. Intendiert ist, die Demoralisierung durch Selbsteffizienzerwartungen zu ersetzen. Notwendig hierfür ist eine Verschiebung der Perspektive: weg von der statischen Betrachtung der Symptome, hin zu Lösungen, Optionen, Erfolgen und Fortschritten. Hierzu ist die Aktivierung und Förderung von Ressourcen besonders wichtig. Ressourcenorientierung ist mit einer günstigen Aufmerksamkeitslenkung weg von den Defiziten hin zu Handlungsoptionen und Lösungen verbunden. Die Fokussierung auf kleine Fortschritte und die Förderung der internalen Attribution von Erfolgen wirken sich günstig auf den Behandlungserfolg aus. Gleichzeitig ist es wichtig, ein perfektionistisches Anspruchsniveau, die Erwartungshaltung gegenüber dem Therapeuten und die Tendenz zur Fokussierung und Magnifizierung des Negativen zu relativieren. Eine intrinsisch motivierte, proaktive, engagierte und kooperative Zusammenarbeit mit dem Therapeuten hilft dabei, dass die maßgeblichen Impulse zur Problembewältigung vom Patienten selbst kommen können.